Presse · Archiv-Beitrag vom 08.04.2011

„Mülheim hilft“ vor Ort.

Der Internationale Club der Schlitzohren e. V. besuchte Sri Lanka.

„Das Schönste an der Reise war das Lachen und das Glück in den Gesichtern der Frauen“, erzählt Kurtludwig Lindgens begeistert von den Eindrücken seiner Reise nach Sri Lanka.

Der ehemalige Mülheimer Lederfabrikant war gemeinsam mit Werner Bungert und Irmtraud Bönsch vom „Internationalen Club der Schlitzohren“ in die neu erbauten Dörfer Kalamatiya und Seenigama gereist. Sie wollten sich ein Bild von den Entwicklungen nach dem Tsunami 2004 machen und sehen, was mit den Spenden aus der Hilfsaktion „Mülheim hilft“ passiert ist.

Begleitet wurden sie vom städtischen Fotografen Walter Schernstein, der bereits 2005 mit den „Schlitzohren“ nach Sri Lanka gereist war und die vielen Eindrücke mit seiner Kamera festhielt. „Eindrücke, die durch die jetzigen Ereignisse in Japan natürlich noch mehr an Bedeutung gewinnen“, so Lindgens. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ließ sich ausführlich von der Reise berichten.

Dorfbewohner und Besucher betrachten gemeinsam einen Zeitungsartikel
Die Dorfbewohner lesen im Zeitungsbericht über „Mülheim hilft“.

60.000 Euro für ein ganzes Dorf

Der Verein, der weltweit bedürftige Kinder unterstützt, hatte sich nach der Flutkatastrophe im Dezember 2004 der von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld initiierten Aktion „Mülheim hilft“ angeschlossen und über seine Mitglieder und Sponsoren 60.000 Euro gesammelt. Der Rat der Stadt schloss sich der Idee der „Schlitzohren“ an, diese Spendengelder – neben den weiteren Spenden für die Aktion in Höhe von rund 30.000 Euro – voll und ganz auf den Aufbau einer Dorfschule und der zerstörten Infrastruktur des Dorfes Kalamatiya zu konzentrieren. Im Distrikt Hambantota im Süden des Landes wurden seither mit viel Fleiß und persönlichem Einsatz kleine Häuser gebaut und eine Schule ausgestattet. Eine beispielhafte „Erfolgsstory“, die du hier nachlesen kannst.

„Wie viel man dort mit wenig Geld erreichen kann, ist fantastisch. Mülheim hat das wirklich gut hingekriegt“, erzählt Werner Bungert, Ehrenpräsident der „Schlitzohren“.

Mit Percy Silva, „Mülheims Mann vor Ort“ und ehemaligem General Manager einer befreundeten Lederfabrik, konnte dank seiner guten Kontakte und seiner Mitarbeit eine Menge erreicht werden. „Andere Hilfsorganisationen arbeiten sehr viel teurer, da sie die Verbindungen, solche guten Kontakte und die Begleitung vor Ort gar nicht haben“, erklärt Bungert. „Percy ist hier unsere ‚Totalversicherung‘. So kann der Verein auch gezielt auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort eingehen und flexibel agieren.“

Unbürokratisch leisteten die Besucher mit den Spendengeldern auch Soforthilfe: 100 Euro für einen Inhalator für einen asthmakranken Vater, je 100 Euro für einen Stromanschluss für drei Familien im „kleinsten Schlitzohrendorf“. Außerdem hatten sie 2.000 Euro und 15 Fußbälle dabei – sehr zur Freude der vielen Kinder.

Eine Familie vor ihrem kleinen Haus in Sri Lanka, der Vater trägt das Kind auf dem Arm
Eine Familie vor ihrem neuen Haus.

Ein bewegender Empfang

Schön sei es auch gewesen zu sehen, wie sich die Natur alles zurückgeholt habe, „so dass wir das Dorf erst gar nicht gesehen haben“, schildert Kurtludwig Lindgens. „Das war ein wunderbarer und sehr bewegender Moment, als die Dorfbewohner uns sahen und auch wiedererkannten. Anders als bei unserem letzten Besuch 2005, bei dem nur Trauer über verlorene Kinder und Angehörige zu sehen war.“ Überhaupt habe ihn die Fröhlichkeit der Menschen sehr beeindruckt. „Mit der Aktion ‚Mülheim hilft‘ hat man ihnen die Freude zurückgebracht“, ergänzt Lindgens, „und man hat das Gefühl, dass sie die schlimme Zeit überwunden haben.“

Die Begrüßung in der Bata-Atha-Schule von Kalamatiya war besonders herzlich. Die Kinder hatten sich extra schick gemacht, ein großes Willkommensschild gestaltet und das Schulbild der Schule „Mülheim an der Ruhr“ frisch gestrichen. Die Gastgeschenke der Mülheimer Gruppe – Schiemann-Bilder mit Mülheim-Motiven – nahmen sie begeistert entgegen.

Gelbes Willkommensbanner der Schule vor einer bemalten Wand
Das Willkommensschild der Schule: „We welcome you“.
Ein Besucher zeigt im Klassenraum der Schule auf die Tafel, die Kinder sitzen in Schuluniform an den Bänken
Zu Besuch im Klassenraum.

Wunsch der „Schlitzohren“ ist es, einen Austausch mit Mülheim oder eine Patenschaft mit einer Mülheimer Schule auf den Weg zu bringen. „Wir möchten gerne, dass jedes Jahr ein anderer Lehrer aus Sri Lanka in unsere Stadt kommt und umgekehrt. Vielleicht findet sich ja ein Mülheimer, der dort hingehen will“, so Werner Bungert.

Ein Gemeinschaftshaus für das Dorf

Ein großer Wunsch der Gemeinde war ein Gemeinschaftshaus. Hierfür spendete der „Internationale Club der Schlitzohren“ aus dem Sammeltopf noch einmal 1.500 Euro als Grundlage. Rund 1,5 Millionen Rupien (10.000 Euro) wird das Versammlungshaus kosten. Kurtludwig Lindgens sagte spontan zu, die restliche Finanzierung zu übernehmen. Dafür steht ihm voraussichtlich die „Ehrenbürgerschaft“ von Kalamatiya bevor. „Dann reise ich im kommenden Jahr eben erneut nach Sri Lanka“, freut sich Lindgens, der bereits den ersten Spatenstich gemeinsam mit einem kleinen Mädchen durchführen durfte.

Irmtraud Bönsch würde ihn gerne begleiten, denn auch sie war von dem vertrauten Verhältnis und dem Gefühl, sehr gut aufgenommen worden zu sein, überwältigt. „Gebettelt“, so die engagierte Spenderin, „haben die Menschen dort aber nie.“ Auf Sri Lanka seien die Menschen dankbar für alles, was ihnen gegeben wird, und glücklich damit. Die Momente der Freude überwogen auf dieser Reise.

Eine Frau und ein Mann zwischen lachenden Schulkindern, im Hintergrund ein Ball
Viel Freude bei den Kindern – und 15 mitgebrachte Fußbälle.

Und obwohl die Dorfbewohner selbst nicht viel haben, gaben sie den Mülheimern für Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ein Geschenk mit nach Hause: Tee aus Ceylon. „Darüber freue ich mich ganz besonders“, so die OB. „Und seien Sie versichert, dass ich mit diesem Tee nur ganz besondere Gäste ‚auszeichnen‘ werde.“ Dagmar Mühlenfeld war von den Erzählungen der „Schlitzohren“ und dem Erfolg der Reise begeistert und sieht die Nachhaltigkeit des Projektes gesichert. „Dank Ihres herausragenden Engagements und dank vieler weiterer Unterstützer können wir weiterhin viel Gutes leisten.“

Archiv-Beitrag der Stadt Mülheim an der Ruhr vom 08.04.2011. Weitere Informationen: schlitzohren.org